Denken

Habt ihr schon einen Namen?

Falls ihr schwanger seid und in den kommenden Monaten diese Frage hört, ergreift sofort die Flucht, werdet zu Stein oder täuscht einen akuten Brechreiz vor. Aber gebt auf keinen Fall Antwort. Selbst beim dritten Mal – ja, Baby Nummer 3 ist auf dem Weg – bin ich wieder total hormonverblödet darauf rein gefallen und habe mich auf eine Namensdiskussion mit den Bürogsändlis eingelassen. Ein riesen Fehler. Bei meinem absoluten Lieblingsmädchennamen – nein, ich werde diesen natürlich jetzt nicht ausplaudern – sagte eine Kollegin mit erschrockenem Gesicht: „Das kannst du nicht machen! Vor kurzem hat meine Cousine diesen Namen für ihre Tochter gewählt und wurde danach von der ganzen Familien und ihren Freunden mit geschockten Kommentaren bombardiert!“  Okay. Fragt sich natürlich, ob diese Cousine wohl die richtigen Freunde hat, für die Familie kann sie ja nix. Ich wollte die ganze Diskussion gerade elegant abbrechen und zielstrebig zum Kaffeeautomaten vor laufen, als  ein: „Und für einen Jungen, habt ihr da schon Favoriten?“ erklang. Rumgedrucks, also, öhm, nicht so richtig, vielleicht was klassisch Nordisches. „Hmm, ja, das ist ja gerade sehr im Trend, da würde ich aber aufpassen, dass dein Sohn nicht heisst wie jeder Zweite“. Den Rest der Diskussion möchte ich euch ersparen. Es kamen die typischen Schweigemomente, wo man genau weiss, dass der eben genannte Name niemandem am Tisch gefällt, die Jöh-so-herzig-Kommentare und die Uii-neiii-der-wird-verhuntzt-Bemerkungen.  Zurück bleibt: Eine total verwirrte Schwangere, die nicht mehr weiss, was ihr gefällt. Super, oder? Aber eben, da ist man natürlich selber schuld. Vielleicht sollte ich nächstes Mal einfach in die Offensive gehen und die Kindsnamen der Anwesenden so richtig nieder machen. „Der Name deiner Tochter erinnert mich übrigens an einen Berner Sennenhund.“ Oder: „Mit einem Hippy-Namen wie dein Sohn einer hat, wird er es im Leben nicht weit bringen!“ –  Warum sollten eigentlich nur die Namen von Ungeborenen zum Abschuss freigegeben sein?

Cooles Buch zum Thema:  „Ernst beiseite! 500 Namen, die Sie Ihrem Kind besser nicht geben sollten“von William Wahl.

Eine Franzosen-Komödie, die man ohnehin unbedingt sehen muss: „Le Prénom“ von Matthieu Delaporte.  An einem ganz normalen Abendessen unter Freunden und mit Familienmitglieder verrät einer der Anwesenden den Namen seines ungeborenen Kindes: Adolf.

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