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City Moms: Bordeaux

mit mamaBonjour, ich heisse Agnes Luzia Brügger. Ich bin die eine Hälfte der Kommunikations-Agentur a-b.ch und die Designerin von MiniMecks, einem kitzekleinen Label für Kindermode. Mit meinem Mann und unseren beiden Kindern (2 und 7 Jahre) wohnen wir seit Oktober 2014 in Bordeaux und machen hier ein Sabbatical. Unsere Wohnung in Zürich haben wir aufgelöst, unser Hab und Gut eingestellt und sind mit nur vier Koffern nach Bordeaux verreist. Der Sohn geht seit November hier in die Schule und lernt wacker französisch. Die Tochter geht seit kurzem in eine Krippe für anderthalb Tage die Woche und kann schon „Non“, „Pardon“, „Au Revoir“ und „Merci“ sagen. Das Wichtigste also.

Was liebst Du an Bordeaux?
Die Stadt ist wunderschön! Sie liegt perfekt am Fluss Garonne; in dreissig Minuten ist man „dans la verdure“, also im Grünen oder
auf einem schönen Schloss und in vierzig Minuten ist man am Meer. Die Stadt bietet viel sowohl architektonisch als auch kulturell. Und es herrscht eine lebendige „Aufbruch-Stimmung“. Gleichzeitig ist das Leben hier aber unglaublich entspannt.

Quai St. Michel

 

Wo gehst Du in Bordeaux gerne für einen Kaffee hin?
Ich treffe meine Freunde gerne in einem Strassencafé auf dem neu renovierten Platz rund um den Flêche de Bordeaux. Da ist immer was los und es ist sehr unkompliziert. Wenn es mal kühl sein sollte, gerne im Grand Hotel de Bordeaux, vis-à-vis der Opéra. Da kann man stundenlang sitzen, englische Tea Time geniessen und dazu internationale Zeitungen lesen.

Deine Lieblingshops in Bordeaux?
Die Fromagerie Deruelle: der beste Käse der Stadt, und das will was heissen!
Marché des Capucines: Von Dienstag bis Sonntag jeweils bis ca. 13 Uhr. Das ist immer ein Erlebnis. Vor allem am Wochenende!
Les Brocanteurs du Passage St. Michel: ein Laden wie eine Film-Location. Im hinteren Teil ein Restaurant – auch wunderschön.

Wie hat sich das Leben mit Kids in Bordeaux verändert?
Das ist jetzt nicht Bordeaux-spezifisch; aber man sucht halt generell Orte auf, die den Kindern Spass machen
oder die mit den Kindern zu tun haben im weitesten Sinn. So gehen wir halt in die Ludotheque um Spielsachen auszuleihen anstatt in die angesagte Bar. Aber dieses Phänomen kennen ja alle Eltern.

Was ist ein No-go für Deine Kinder in Bordeaux?
Zuviele Chocolatines essen! Ein neonfarbiger Jogginganzug vom Strassenhändler. Flip-Flops für in die Schule. Spielsachen vom 99Cent Store.

groceries

Wie sieht ein typischer Wochentag bei Euch aus?
Mein Mann oder ich begleiten den Sohn in die Schule. Das sind drei Stationen mit dem Bus und noch zu Fuss fünf Minuten. Auf dem Heimweg Einkauf auf dem Marché des Capucines. Dann mit der Tochter spielen oder einen Ausflug machen oder sie in die Krippe bringen. Wenn sie in der Krippe ist, nach Hause gehen und arbeiten am Computer für unsere Kunden in der Schweiz. Um 16 Uhr ist Schulschluss und wir holen unsern Sohnemann wieder ab. Alle sind müde vom Tag, wir kochen was zuhause und spielen und sitzen draussen bis es Bettzeit für die Kinder ist.

Warum lebt es sich in Bordeaux mit Kids besonders gut?

Es gibt so viel zu entdecken mit Kindern! Das CAP Science beispielsweise ist ein tolles Museum für grössere Kinder. Ein zeitgenössisches Museum eingangs Quartier Chartrons – ein sehenswerter Bau mit spanndenden Ausstellungen. Etwa der „Arc en rêve“, das Zentrum für Architektur im 2. Stock. Zu jeder Jahreszeit schön ist der Jardin Public. Da gibts das Marionettentheater von Guignol Guérin bei schönem Wetter. Eindrücklich für Gross und Klein ist ein Besuch der Base Sous Marine, eine immense U-Boot-Garage aus dem Zweiten Weltkrieg, die jetzt zum Teil umgenutzt wird als Ausstellungsraum. Auf dem Rive Droite ist der Parc Municipale, da kann man Richtung Floirac auf den Hügeln im Wald rumkraxeln und hat eine tolle Sicht auf die Stadt. Es gibt angenehme Bäder (die Piscine Grand Parc oder die Piscine Le Stade Nautique in Pessac) mit Innen- und Aussenbereichen. Da kann man Pique-Nique machen und je nach Witterung drinnen oder draussen baden. Herzig: Le Petit Gratteur: immer am Mittwochnachmittag am Quai bei St. Michel. Da gibt es eine Bastelstunde in einem kleinen roten Zelt mit den Kindern – gratis! Der Mirroir d’eau ist im Sommer immer sehr bevölkert; man planscht und geniesst die Aussicht auf die Place de la Bourse und die Garonne. Auch schön ist das Château Labottière, ein Stadtpalais mit etwas zweitklassigen Ausstellungen. Gleich nebenan ist der Parc Rivière mit 1A-Kletterbäumen und einer verwunschenen Ruine. Auf dem Platz Quinconces ist oft etwas los: Brocante im Frühjahr und Herbst. Oder eine grosse Chilbi mit Riesenrad. Ausflüge gibt es natürlich zahllose und wunderbare: Die kleine eindrückliche Hafenstadt La Rochelle, mit dem riesigen Aquarium. Oder etwas näher: Arcachon, das berühmte, ehemalig mondäne Seebad am Bassin d’Arcachon. Oder Lacanau Océan, ein Surferparadies an der Côte d’Argent mit meterhohen Wellen. Oder für Liebhaber lebendiger Geschichte das Château de Vayres. Vor den Toren Bordeauxs gelegen, mit wunderschönem Park direkt an den Ufern der Garonne.

Chateau Labotiere

Was ist besonders toll an Eurem Viertel mit Kids?A Lacanau
Der nahe Park. Die vielen öffentlichen Verkehrsmittel. Die netten Quartierläden und die vielen guten Bäcker!
Was unternehmt Ihr als Familie am Wochenende?
Wenn der Sohnemann eine strenge Woche hatte in der Schule, hängen wir am liebsten einfach im garten ab! Oder ein Ausflug, siehe oben.
Was nervt Dich an deiner Stadt?
Es scheint als werden sukzessive alle Spielplätze mit Sandkästen wegrationalisiert! Das ist sehr schade. Die Franzosen haben da ein ganz anderes Verständnis, was ein „guter“ Spielplatz ist. Wir kennen nur noch einen Sandkasten – im Garten des Musée des Beaux Arts, hinter dem Hôtel de Ville.

Woran erkennt man eine typische Bordeaux-Mom?


Ich glaube, die gibt es nicht! Die Quartiere sind so unterschiedlich und es gibt hier Familien aus vielen verschiedenen Ländern. Die Mutter aus dem Quartier Chartons etwa pendelt vielleicht für ihre Arbeit nach Paris; das machen hier viele. Ihre Kinder gehen in die Krippe und in die zweisprachige Tagesschule und tragen teure Markensachen. Die Mutter aus dem Quartier St. Michel kommt aus Bulgarien und sie arbeitet als Putzfrau. Ihr Mann arbeitet auf dem Bau. Sie sprechen mehr schlecht als recht französisch und wohnen in einer heruntergekommenen Mietwohnung in prekären Verhältnissen. Die typische Bordelaiser Mutter erkennt man höchstens an ihrer Effizienz und Nonchalance; sie arbeitet, hat drei Kinder und pflegt einen entspannten Stil ohne Schnick-Schnack. Praktisch muss es sein! Sie fährt Fahrrad, das Leben findet vor allem draussen statt und am Wochenende macht man vielleicht einen Ausflug ans Meer. Voilà. Die Mentalität der Französinnen ist einfach eine ganz andere: Man bringt das Kind nicht mit schlechtem Gewissen in die Krippe. Sondern man glaubt, das die Krippe für die Sozialisierung der Kinder gut ist und die Mütter wollen bei der Arbeit nicht zurückstehen.

Brocante du passage

Hier kann man in Bordeaux gut mit Kindern essen:
L’Orangerie du Jardin Public. Oder am Place de la Victoire im La Plana, da wird einem vom Kellner sogar entschuldigend ein Tisch zum Wickeln in die Toilette getragen. Grundsätzlich ist es in Frankreich sehr angenehm mit Kindern ins Restaurant zu gehen, denn das machen hier alle. Kinderhochstühle und Kindermenüs sind hier eine Selbstverständlichkeit.

Hier findet man tolle Sachen für Kids:

Da bin ich eine schlechte Ratgeberin. Ich kaufe fast alles in Dépôt-Ventes und in Friperies, so werden hier Kinderkleiderbörsen und Secondhand-Shops genannt. Toll sind auch sogenannte „Vide Grenier“ – jeder räumt seinen Keller und verkauft die Sachen auf der Strasse. Das ist immer ein Fest für unsere Kinder: Feilschen, endlos Stöbern und Leute aus der Nachbarschaft kennenlernen. Basics kaufe ich wenn dann bei dpam, COS, American Apparel und ähnlichem.

Die tollsten Läden für Mama und Papa in Bordeaux?
Ich mag COS, aber den gibt es ja mittlerweile auch in der Schweiz. Ansonsten auch für uns: Dépôt-Vente und Friperie! Da findet man die tollsten Sachen zu Spottpreisen! Steak Fripes ist immer ein gute Adresse. Oder Vestida; beide in meinem Lieblingsquartier St. Michel, um nur zwei zu nennen.

apollo

Wohin geht ihr, wenn ihr mal einen kinderfreien Abend habt?

Zum Apéro am liebsten ins Apollo. Ins Kino am liebsten ins Utopia – super Programmation – in einer umgebauten Kirche, mit nettem Restaurant. Die Restaurants in Bordeaux sind grundsätzlich etwas gewöhnungsbedürftig. Viel Fois Gras, Fleisch und Fisch. Ich als Vegi hab da leider wenig Auswahl. Obwohl sie einem immer gerne etwas Fleischloses spontan zaubern! Im Café du Théatre isst man hingegen sensationell. La Tupina ist auch eine Besuch wert, weil so authentisch und deftig. Ich sage nur Pommes mit Gänsefett!

Welches Hotel empfiehlst Du Freunden mit Kindern wenn sie nach Bordeaux kommen?
Für ein paar Tage: Maison Fredon an der Porte de la Monnaie. Ein schön umgebautes Stadthaus, jedes Zimmer ist anders. Ein hübsches Bed&Breakfast ist L’Invitation Au Voyage. Gut gelegen.Wer länger bleiben möchte mietet sich am besten ein möbliertes Appartement oder ein Haus. Die Auswahl ist gross!

in der Stadt

Spidy_and_the_Kid

Kommentare

Ein Kommentar to “City Moms: Bordeaux”

  1. ein tolles Interview, bunt, informativ und mit ganz viel Herz! Da möchte man gleich hin reisen und bleiben! 😉

    Posted by Regina Tosi | 10. Juni 2015, 19:58

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